Mache ich CI-Fortschritte?

CI Anpassung technisch erklärt

Hörseite vor + nach der CI-OP

COCHLEAR IMPLANT = [ englisch ]
COCHLEA IMPLANTAT = [ deutsch ]

+++ CI-OP 06.11.12. +++ CI-Erstanpassung 03.12.12 +++ bimodal: CI links / HG rechts

15. Mai 2014 // Mein persönliches Fazit
Mein ganz persönliches Fazit nach meiner CI-OP vor anderthalb Jahren und nach über einem Jahr CI-Training ist, dass ich ein anderes und 'angenehmer empfundenes' Hörspektrum habe – im Gegensatz zum Hörgerät, das nur 'lauter macht' (vereinfacht dargestellt). Es sind immer noch viele Geräusche, die ich teilweise noch nie wahrgenommen habe und die mich anfangs irritieren. Mithilfe meiner rechten hörgerätversorgten Seite und mithilfe meiner guthörenden Mitmenschen kann ich eine "Was-ist-dieses-unbekannte-Geräusch?"-Zuordnung relativ schnell herbeileiten. Leider hat sich als neurale ungünstige Entwicklung ein » Tinnitus dazugesellt, der wesentlich stärker und eigentümlicher ist (= für mich klingt er wie ein 'Morsezeichen'-Gemisch / wie 'elektronisches Klopfen') als mein vor der CI-OP bekannter "normaler" Tinnitus. Ich muss meinen "elektronischen" Tinnitus nun als [Hör]Begleitung akzeptieren und kann ihn immerhin als meinen Stress-Indikator nennen. Ein Sprachverstehen im Sinne einer audiologischen Freifeldmessung und eines Sprachtests mit idealer Akustikraum-Voraussetzung ist gegeben, im Alltag und im Störlärm jedoch NICHT! Wenn ich in geselligen Runden oder bei Veranstaltungen sitze, habe ich DEFINITIV KEIN SPRACHVERSTEHEN! Hier bin ich selbst gefragt, für mein Verstehen zu sorgen, indem ich » Hörtaktik oder zusätzliche Technik (= » FM-Anlage) einsetze. Da ich auch mit der FM-Anlage auf Mundabsehen angewiesen bin, ist es höchst ermüdend auf Dauer, wenn die Kommunikationspartner ihrerseits meine angeleitete Taktik (sichtbares und einigermaßen deutliches Mundbild, Körperhaltung, Mimik) nicht immer aufgreifen (= mit der Hand überm Mund fahren, Gesicht in andere Richtung halten, unruhiges Hin- und Herbewegen, sich abwenden, mit dem Rücken zu mir reden) und mir im Gespräch nicht immer entgegenkommend sind – für ein für mich einigermaßen gutes Sprachverstehen. Weil diese Situationen meistens unbeabsichtigt sind, muss ich die Gesprächspartner immer wieder darauf aufmerksam machen – und DAS ist ermüdend. In diesem Zusammenhang ist es wohl verständlich, dass ich mich viel lieber in Kreisen aufhalte, in denen eine visuelle und 'aufmerksame' Kommunikation, wie z.B. mit der Gebärdensprache, gepflegt wird.
» siehe auch: MEIN CREDO
Anders als einige Blogger, die über Ihre CI-Erfahrungen schreiben, in denen klar hervorgeht, dass sie ERTAUBT waren – infolge eines Hörsturzes oder einer raschen Progredienz nach einem normalhörenden Lebensabschnitt –, bevor sie sich der CI-OP unterzogen haben, werde ich beileibe nicht in den Genuss eines 'Wieder-GUTHÖRENS' kommen, da ich SEIT GEBURT an Taubheit grenzend bin. Es gibt quasi bei mir keine "Hörerinnerung" der mir seit Geburt fehlenden Frequenzen jenseits von 500-1.000Hz, die ich mit der Neuro-Prothese wieder ohne größere Anstrengung hervorholen könnte. Ich lerne als Erwachsene nach 40 Jahren an Taubheit grenzender Hörschädigung (links praktisch taub, rechts an Taubheit grenzend, mit binauraler HG-Versorgung seit dem 4. Lebensjahr, heute bimodal CI/HG) langsam eine für mich linksseitig komplett neue Akustikwahrnehmung, die für ein Sprachverstehen jenseits von Hörtaktik und ohne Mundabsehen bei weitem nicht ausreicht. Es wird ein langer Weg mit einem (noch) unbekannten Ergebnis. Das ist jetzt keine ernüchterte oder gar erbitterte Feststellung: Ich möchte mich klar distanzieren von Fragestellungen wie "Wirst Du jemals 'normal' hören?". Eine analoge Erörterung dazu ist zu finden auf Cyborgs e.V. (Gesellschaft zur Förderung und kritischen Begleitung der Verschmelzung von Mensch und Technik): [ZITAT] Zwar können auch erwachsene Gehörlose mit Cochlea-Implantat hören lernen, sie werden aber in den allermeisten Fällen auch nach langer Reha große Schwierigkeiten haben, Sprache zu verstehen. [...] deshalb ist es so wichtig, dass [...] Gehörlosen Untertitel und Gebärdensprach-Dolmetscher zur Verfügung stehen [...] [ZITATENDE]. Dem angefügt ist noch eine weitere Aussage in diesem Artikel, die ich nicht unerwähnt lassen möchte: Taub geborene Kinder, die heute üblicherweise bereits mit 9-12 Monaten operiert werden, haben dann sehr gute Chancen auf eine weitgehend normale Hör- und Sprachentwicklung wie alle anderen guthörenden Kinder auch. HINWEIS von mir: Man sollte sich trotzdem bewusst sein, dass sie taub sind, wenn sie die CI-Sprachprozessoren ablegen!
UND: Es kann für alle Beteiligten von sehr großem Nutzen sein, wenn sich das elterliche Umfeld und auch das CI-versorgte Kind zusätzlich zur Lautsprache die Gebärdensprache aneignen!


"Aus der Stille heraus.... und zurück kann ich immer wieder: zum Entspannen!" - Das ist an dieser Stelle mein Schlusssatz.

3. Januar 2014
Hiermit schließe ich mein CI-Tagebuch nach 13 Monaten. Die Hör-Entwicklung wird noch einiges an Überraschungen und/oder Altbekanntes mit sich bringen..... und wird NIEMALS enden!

17. Dezember 2013
P.P.S. zum 6.12.:

Die Ergebnisse des Integritätstests lassen keine Belege für eine Funktionsstörung des Empfängers/Stimulators oder der Elektroden erkennen. Heisst dahingehend für mich: WENIGSTENS KEINE OP :-) – nur der merkwürdige Spotzen/Knattern/'Fehlsimulation'-Mißstand bleibt

11. Dezember 2013
Nachtrag zum 6.12.:

Meine Audiogramm-Werte sehen dazu im Vergleich zu im Sommer erstellten Audiogrammen schlechter aus. Ob es im Kontext zu dem vorgenannten 'Mißstand' steht, ist offen.

06. Dezember 2013
Mitte November hatte ich nach einem Sprung meinen Fuß verletzt (= Mittelfuß-Distorsion) – mit einem fetten Hämatom, der am Mittelfuß (=Skelett, Haut und ein bisschen Minimalfettgewebe) so gar keinen Platz fand und derartig schmerzte, sobald ich auftrat – ich konnte mich etwa eine Woche lang nur mit Unterarmgehhilfen fortbewegen.
UND: Seitdem habe ich einen merkwürdigen Tinnitus, der Morsezeichen-ähnlich mit Spotzen/Knattern, wie 'Phantom'-Stimulierung (wenn der Soundprozessor abgelegt ist) vor sich hergeht. Er klingt regelrecht 'elektronisch' und raubt mir leider auch meinen Schlaf! Da ich bereits seit geraumer Zeit auf meinem rechten Ohr einen Tinnitus habe, kann ich diese beiden gut unterscheiden – sofern die merkwürdig anmutenden Geräusche auf meiner Ci-Seite ein Tinnitus sind. Die Untersuchung von Soundprozessor und Elektrodenträger haben keinen Befund ergeben: Elektroden sprechen normal an, bei einem für eine Woche überlassenen Austausch-Soundprozessor ist es der derselbe 'Mißstand', derselbe Tinnitus. Ich warte jetzt nur noch auf die Auswertung der Untersuchung meines CI24RE durch den CI-Hersteller selbst - der Integritätstest mittels Elektroden an der Kopfregion hatte heute morgen stattgefunden. Die Auswertung soll etwa in einer Woche bis 10 Tage sein.
Mein Alltag derzeit? Ich stehe unter Druck.

07. November
Zusatz zu meiner Punktevergabe vom 04.11.:


© Karin Jung / pixelio.de

Männerstimmen haben für mich tatsächlich eine annähernd 'gute' Sprachmelodie, Frauenstimmen hingegen wirken durchgehend auf mich 'leblos', 'emotionslos', da hier die Tiefton-Facetten bei der weiblichen Stimme im Gegensatz zur volltönigen männlichen Tieftonstimme sehr stark in den Hintergrund fallen, die weiblichen 'leisen' Tiefton-Facetten werden vom Soundprozessor 'irgendwie nicht mitverarbeitet'. Das alles, wenn ich eine Sprechstimme nicht im Blickfeld habe, ich höre nur die Stimme ohne Sprachverstehen. Fällt mit der CI-Hörwahrnehmung die visuelle Wahrnehmung zusammen, also:
ich sehe die Frau dabei beim Sprechen (Mimik, Gestik) und kombiniere die visuelle Wahrnehmung mit der CI-wahrgenommenen, oben beschriebenen 'emotionslosen' Sprechstimme, so kann die Frauenstimme in Kongruenz mit starkem oder auch weniger starkem (Gesichts-)Ausdruck auf mich mehr oder weniger 'warm' wirken. ;-)

04. November 2013
Meine Punktevergabe für mein CI-Hörvermögen (CI-Prozessor links, ohne HG rechts, rechtes Ohr mit Ohropax versiegelt):
[Stand: 4.11. / Monat 12 nach Erstanpassung]
Geräuschewahrnehmung: 8-9
Sprachverstehen*: 6
Musikwahrnehmung: 4
(10 = Sehr gut / 1 = Mangelhaft)
*reines Sprachverstehen ohne Mundabsehen

siehe zum Vergleich » meine letzte Punktevergabe vom 18. April.

01. Oktober 2013
Seit einiger Zeit trainiere ich viel meine CI-versorgte linke Ohrseite, indem ich rechts mein HG weglasse (und meinen rechten Gehörgang mit Ohropax versiegele, um hier den marginalen Tiefton-Hörrest auch über die Knochenleitung komplett zu kappen), so dass es für mich quasi ein "Unilateral-CI-Hören" ist. Zum Beispiel kopple ich mein CI-Soundprozessor mit dem TV via CI-Audiokabel (mit galvanischer Trennung!) und einer 5m Kabelverlängerung (ich habe -noch- kein FM System). Das Sprachverstehen ist soweit gut – bei Dokumentar-Sendungen besser als bei Spielfilmen, weil in ersteren die Sprachqualität und die akzentuierte Aussprache eines Off-Sprechers einfach besser ist. Wie zu Zeiten der binauralen HG-Versorgung kann ich nur etwa ein Teil (= subjektiv geschätzte ca. 40-50%) verstehen DOCH: Man beachte bitte - es handelt sich 'NUR' um meine linke Ohrseite, die vor der CI-Versorgung praktisch taub war (hier habe ich grad mal 5-10% Wortbrocken verstanden)!!. Wenn ich Spielfilme schaue, dann mit Vorliebe die, die untertitelt sind, damit ich das Unverstandene mit Lesen wenigstens kompensieren kann (z.B: Tatort ;-) - auch wenn ich mich immer wieder daran stoße, dass die Dialoge ggf. Monologe inhaltlich nicht 1:1 'übersetzt' werden, sondern immer wieder gerne abgekürzt - und etwaiger latenter Humor des Sprechers geht auch noch verloren. :-/ Auffällig ist für mich, dass die durch den Soundprozessor generierte Sprechstimme zwar von der Sprachverständlichkeit gut ist, jedoch kommt die Eigenschaft des Sprechers nicht zum Tragen: traurig, wütend, schwach, freudig, resolut? Hier fehlen so ziemlich Tiefton-Elemente, die für die Wahrnehmung dramaturgischer Sprachqualitäten doch eine wichtige Rolle einnehmen.

23. September 2013
Bei der heutigen CI-Anpassung im CIC Berlin und Brandenburg wurde mir eine erneute Erweiterung des elektrischen Dynamikbereich am oberen C-Wert (C = Comfortable, für den Patenten angenehme maximale Reizstärke) eingestellt, vor allem mit Fokus an Elektrode 18/19 (etwa die Range 550-810Hz). Dynamikbereich = Stromstärkebereich zwischen T-Wert (grüne untere Markierungsreihe im Beispiel-Bild, T = Threshold, Hörschwelle, bei der der Patient gerade noch eine Hörwahrnehmung hat) und C-Wert (rote obere Markierungsreihe im Beispiel-Bild). Das Bild oben zeigt NICHT meine Werte.

10. September 2013
Heute kann ich ein Beispiel par excellence präsentieren – dafür, dass ich sehr wohl ein Sprachverstehen habe (besser als zu binauralen HG-Zeiten vor der CI-Versorgung): aus der Tierarztpraxis Ladwig. Im Untersuchungsraum – Katzen bekamen die alljährliche Schutzimpfung – habe ich unseren Tierarzt nie richtig gut akustisch verstanden, da es im Raum leicht hallt. Die Gespräche im U-Raum waren vor der CI-OP für mich immer anstrengend gewesen. Mit meinem bimodalen Hören kann ich zum ersten Mal ganz entspannt und ohne viel Nachhaken dem Zweier- oder Dreier-Gespräch folgen. Ich bin happy! ...und Tierarzt Ladwig hat es auch bemerkt, dass ich der Unterhaltung besser folge... ;-)

04. September 2013
Mein Tinnitus - mein Freund und Feind zugleich ;-) Mein Tinnitus (auf der Hörgerät-Seite rechts) dröhnt mir mit dem Ton e der eingestrichenen Oktave (=329,628Hz) zu. Wenn ich auf der Gitarre das f greife und die Saite zupfe, war ich stets irritiert: der Ton klang für mich dissonant, schräg. Irrtümlicherweise dachte ich, ich greife nicht richtig – tatsächlich ist es mein Ohr-Ton der dazwischenfunkt :-(

26. August 2013
Seit 2 Wochen nehme ich Gitarrenunterricht (Klassik): Für mein [ganz eigenes] Hörtraining eine ideale Referenz und ideale Hör-Entspannung (wenn ich denn soweit bin, Stücke fließend zu spielen ;-)!

08. Juli 2013
Ich zitiere mal hier aus einem anderen Blog [www.ennomane.de], was durchaus auch auf meine Situation und der vieler anderer CI-Träger zutrifft:
Lange habe ich hier nichts mehr zum Cochlea-Implantat geschrieben: Der Alltag hat mich zwischenzeitlich völlig aufgesogen. Ich machte Erfahrungen wie andere vor mir – ich bin immer noch schwerhörig und fliege manchmal vom Karussell, wie “Not quite like Beethoven” (notquitelikebeethoven.wordpress.com) das nennt. Der Unterschied zu früher: Wo kommunikativ gar nichts mehr ging, tut es heute meist ein einfaches Wie-bitte. [...].
Oft hatte ich Glücksgefühle, manchmal war ich down, wenn es das Hören dann doch nicht perfekt war; aber rauschhaft muss man das deswegen nicht nennen. Ich höre ja ganz objektiv um Längen besser als früher. Immer neue Leute sagen mir, wie viel besser man heute mit mir reden könne, und wer mich gut kennt, sagt mir dazu oft noch, dass meine Stimme heute lebendiger und akzentuierter klinge.
Gelegentlich gibt es Rückschläge, wenn ich müde bin oder einen schlechten Tag habe. Bei der letzten Anpassung trat eine ziemliche Verschlechterung ein – ich verstand plötzlich kaum noch etwas – , die sich aber leicht wieder rückgängig machen ließ. Da merke ich dann, dass mein Gehirn immer noch eine gegenüber dem natürlichen Gehör erhöhte Dekodierleistung erbringen muss.

Wenn ich Berichte wie oben von Enno Park lese, dann bin ich wieder entspannter: Ich bin nicht allein!

03. Juli 2013
Seit einer Woche habe ich mein Hörgerät rechts auf rudimentäre Einstellung 'zurückgeschraubt', da mein Tinnitus auf der Hörgerätseite mir ganz schön zu schaffen macht.

10. Juni 2013
Heute war ein Hörtest im CIC Berlin Brandenburg angesagt:
Der Oldenburger Satztest ergab eine Verständlichkeit von 54% bei 65,0dB Sprachpegel – bei nicht-adaptiver Freifeldmessung in Ruhe LINKS (CI-Seite).
Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich nun auch ein Freiburger Sprachtest durchlaufen. Bislang (vor der CI-OP) war wegen der schlechten Werte beim Oldenburger Test kein Freiburger Test mehr gemacht. Verständlichkeit bei 25dB: 60%, bei 55dB: sogar 100%, bei 65dB: 80%.

10. Mai 2013
In der aktuellen Ausgabe der Schnecke (Mai 2013) lese ich einen Artikel, in dem Julia Probst interviewt wird: "Ohne das CI bin ich gehörlos, mit schwerhörig, aber von der kulturellen Identität eher hörend." Ich identifiziere mich sehr mit ihrer Aussage "[...]habe ich auch mit CI nur sehr selten ein freies Hörvermögen und sehe hauptsächlich von den Lippen ab".

06. Mai 2013
Siebte CI-Anpassung im CIC Berlin Brandenburg:
Erweiterung des Dynamikbereichs. Ich habe für die Verteilung von vier Programmen des Cochlear®-Sprachprozessors auf einen Fokus- und einen Lärm-Programm VERZICHTET. Ich muss zugeben, dass ich einer konstanten Soundverarbeitung vor der dynamischen Soundverarbeitung den Vortritt gebe. Ich komme mit der Einstellung einer dynamischen Soundverarbeitung des Prozessors nicht ganz klar, da ich den Eindruck habe, dass die in einer geräuschvollen Umgebung auf mich wirkenden Stimmen oder Musikgeräusche nur unterbrochen, also wie 'abgehackt' auf mich wirken. Die dynamische Anpassung (als Programm) des Prozessors auf die multiple Geräuschkulisse klingt in meinen Ohren (bzw. bei der Nervstimulierung und der Signalverarbeitung in meinem Gehirn) wie ein "Knattern". Die vielfältige Programmierungsweisen des Cochlear® Prozessors erlaubt eine individuelle Programmverteilung (maximal vier) für den CI-Träger. Mit der Engewöhnungszeit (während der Reha-Zeit) kristallisieren sich Hörvorlieben heraus.

25. April 2013
Ein Freund von mir (heute CI bilateral, 2 Jahre lang CI bimodal) hat treffenderweise gesagt: "... irgendwann hat das CI das Hörgerät überflügelt. Das Gehirn hat sich einfach auf das CI eingestellt". Stimmt! Das Hörgerät schafft niemals die Leistung des CI-Prozessors. Als Trugschluss stelle ich mein HG lauter, um ein vermeintliches Hör-Ungleichgewicht auszugleichen. Die Folge ist mittlerweile ein sehr lauter Tinnitus (so als wenn ich neben der Turbine eines Flugzeugs stünde), der eintritt, sobald ich das HG abgelegt habe. :-( Ich muss mich zu einer moderaten Lautstärkeeinstellung des HG quasi "zwingen". Von Kindesbeinen an kenne ich nur das "Lauterstellen" des Hörgeräts, wenn ich Geräusche hören soll/will/muss. Mit dem CI brauche ich das jedoch NICHT!

18. April 2013
Meine Punktevergabe für das CI-Hörvermögen (gemessen nur mit dem CI-Prozessor links, ohne HG rechts):
[Stand: 18.4. / Monat 5 nach Erstanpassung]
Geräuschewahrnehmung: 8
Sprachverstehen*: 3
Musikwahrnehmung: 2
(10 = Sehr gut / 1 = Mangelhaft)
*reines Sprachverstehen ohne Mundabsehen

02. April 2013
Bei einem Treffen mit fremden Leuten (trete hier als mitgebrachte Begleitung auf): Verschiedene kleine Gesprächsgruppierungen mit insgesamt ca. 20 Leuten in einem etwa 18m² großen Raum. Ich hatte keinen festen Gesprächspartner. Meinen Nebenmann konnte ich gar nicht verstehen. Ich stelle fest, dass ich die auf mich einprasselnden Geräusche nicht filtern kann. Es war deprimierend. Nicht einmal meine Kommunikationstaktik half mir zu verstehen. Alle Beteiligten haben noch nie mit hörgeschädigten Menschen zu tun gehabt (außer vielleicht mit schwer hörenden Omas und Opis). Die Akustik in diesem Raum war einfach nicht gut. Vermutlich wäre ich an einem Sommerabend (mit ausreichender Partybeleuchtung) draußen unter freiem Himmel besser aufgehoben, wo sich Stimmengewirr besser verliert und nicht im Raum als Echo mehrmals verstärkt wird.

25. März 2013
Beim Zahnarzt: Mir ist ein Stück Backenzahn rechts abgebrochen... Bei der Behandlung stimmte ich einer lokalen Betäubung zu. Vergessen hatte ich dabei völlig, dass nicht nur die rechte Gesichtshälfte, sondern auch das Gleichgewichtsorgan bei der Betäubung "ausfällt"! Etwa 4 Tage lang hatte ich mit Schwindel zu tun.... :-(

22. März 2013
Immer wieder werde ich gefragt: "Macht Dein Hören mit CI Fortschritte oder eher nicht?"
Generell beantworte ich diese Frage mit "Ja, ich mache Fortschritte", wenn auch diese Fortschritte vielleicht (mir persönlich) nur minimal erscheinen. Ich bin trotzdem nach wie vor auf Mundbild, Mimik und gute Hörsituation angewiesen, wie es mein sogenanntes » Hören-Tortendiagramm verdeutlicht. Die hier aufgezeigte Hörtaktik gilt auch heute noch (Quartal II 2013). Es ist schwierig, jemandem das Metier "Hören mit dem CI" zu erklären´, der das 'Ding' im Kopf nicht hat.
Dass der Zeitraum der Hörentwicklung und des Hörfortschritts eine nicht genau zu definierende Größe ist, möchte ich hiermit verdeutlichen. Bei dem Einen geht es schnell, bei dem Anderen weniger schnell. Wichtig zu erwähnen ist, dass von Mensch zu Mensch subjektiv unterschiedliche Hörwahrnehmungen und Wahrnehmungs"gewichtungen" sind, genau wie wir alle unterschiedliche visuelle und haptische Wahrnehmungsprioritäten haben – Empfindungen und Vorlieben von Farben, Gefühlen, Gerüchen. Davon hängt auch ab, wie schnell wir uns einem wahrgenommenen Objekt zuwenden und einen Lernprozess anstoßen.


© lightwise / 123RF Stock Foto

Ähnlich wie das Gedächtnistraining bei einem Memory-Spiel ist das Training beim 'Neu'hören: Man ordnet die Höreindrücke Geräuschmustern neu zu. Der Eine erfasst das schnell, der Andere eben nicht so schnell. Meine Antwort zur o.g. Frage: Der Audiologe sagt zu mir: "Sie machen sehr schnell Fortschritte".
Allgemein ist eine definitiv bessere Hörqualität im Vergleich gegenüber meinem alten Hören vor der CI-OP da!
Ich kann subtile, leise Geräusche schneller wahrnehmen als ich es vorher je wahrgenommen hatte (Wenn überhaupt ich es gehört hatte, dann in der dementsprechenden Lautstärke, bei der andere bereits schreiend den Raum verlassen).
Hören mit CI ist nicht vergleichbar mit dem Hören, das wir mit unserem natürlichen Hören (bzw. natürlichen Hörrest) kennen.
Pauschal gesagt: Es klingt fremd und 'elektronisch'.


Ergänzend zur obigen Fragestellung finde ich dieses Zitat aus dem technischen Leitfaden [CI] der Universitäts-HNO-Klinik Magdeburg sehr einleuchtend: "[...] Dazu ist anzumerken, dass diese [Soundprozessor-]Einstellung nicht nur ein rein technischer Prozess ist wie zum Beispiel die Programmierung eines Videorecorders. Die in der Hörschnecke abgegebenen Stromimpulse unterscheiden sich sehr stark von den natürlichen Nervenimpulsen bei einem Normalhörenden. Erst durch einen mehr oder weniger langen Lernprozess kann das Gehirn diese Impulse als Töne, Geräusche oder Sprache interpretieren. Dieser Prozess kann bei einem Patienten, der noch vor kurzem relativ gut gehört hat, sehr schnell gehen während ein Patient, der über viele Jahre sein Gehör langsam verloren hat, eine längere Trainierungsphase benötigen kann.
Aus diesem Grund ist die Anpassung des Signalprozessors ein stetes Wechselspiel von Parameteränderungen durch den Audiologen und Training des Patienten mit seinem Therapeuten im CI-Zentrum sowie zu Hause mit seinen Angehörigen. [...]" [Quelle: Auszug aus dem » Technischen Leitfaden "Cochlea Implantat" der Universitäts-HNO-Klinik Magdeburg]

In meinem (Hör)Fall nutze ich zum Lernen die Höreindrücke meiner rechten HG-Seite (die Tiefton-Höreindrücke, die ich von Anbeginn mein Leben lang antrainiert habe und auf die ich quasi 'vertraue') kombiniert mit dem neuen und fremdartigen Höreindruck der linken Seite, erzeugt durch den Soundprozessor. Dieser Verknüpfungsprozess ist jetzt mein aktuelles Hörtraining – für Geräuschewahrnehmen, fürs Sprachverstehen und fürs Musikhören. In dieser Reihenfolge staffele ich auch den jeweiligen Schwierigkeitsgrad: 1. Geräuschewahrnehmen = relativ leicht, 2. Sprachverstehen = schon schwieriger, 3. Musikhören = ganz schön hart, DENN: Musik kommt als rhythmischer Krach an.

13. März 2013
Ich sitze im Büro am Rechner. Mein Freund ist ca. 8m weit weg entfernt in der Küche. Plötzlich vernehme ich ein regelmäßiges Signal im oberen Frequenzbereich wie bei einem Alarm (Eieruhr/Weckfunktion am Handy o.ä.). Ich schaue mich im Büroraum um, wundere mich und kann die Quelle nicht ausfindig machen. Gehe in die Küche zu meinem Freund und will noch fragen, ob er das Alarmgeräusch höre. Da sehe ich wie er gerade ein Küchenmesser mit dem Wetzstahl schärft. "Wie, das hast Du gehört?" fragte er, nachdem ich ihn aufklärte.
Keine Sorge! ;-) Wir leben in harmonischem Einklang miteinander!

11. März 2013
Sechste CI Anpassung im CIC Berlin Brandenburg: Ich bekomme für mein altes 4. Programm, das nun auf das 2. Programm gelegt ist (Programm Nr. 3 ist nun P1), eine Fokus-Schaltung und eine Around-Musik-Schaltung. Das bedeutet: das neue P3 ist P2 mit Fokussierung auf einen Gesprächsteilnehmer (und Abschwächung der Umgebungsgeräuschkulisse), das neue P4 ist eine Beschallung aus 360° ringsum um mich (Musikbeschallung). Außerdem ist ab heute die Telefonspule aktiviert.

09. März 2013
Mein 2. Kommunikationstraining im BBCIG e.V. – wieder mit WOW-Effekt: die 4 Stunden kann ich locker durchhalten. Mit dem CI (links) in Kombination mit dem Hörgerät (rechts) kam ich OHNE Mundabsehen gut klar!
» siehe Vergleich 1. Kommunikationstraining


© Grafik: Katja Fiebig

08. März 2013
Meine gute Hörseite war zeit meines Lebens (seit dem 4. Lebensjahr, siehe auch » meine Hörvorgeschichte) stets die rechte Seite – also war meine Körperseite auch rechts ausgerichtet: für das Sprachverstehen, für eine für mich ausreichend gute Kommunikation, für meine Wahrnehmung. Links war ich praktisch taub, ergo war meine linke Körperseite nicht berücksichtigt.
» siehe meine Veranschaulichung in einer Grafik.
Jetzt mit dem CI auf der linken Ohrseite vollzieht sich ein Wandel: Gestern war ich in einem Gespräch mit 4 Leuten in einer Gruppe. Wenn ich meiner 'antrainierten' Hörausrichtung (sprich nach rechts) folge, habe ich extreme Sprachverstehprobleme.


© Grafik: Katja Fiebig

Diesmal testete ich die andere, also die linke Seite: Und siehe da, ich konnte etwas besser verstehen. Man staune! Jetzt habe ich endlich für mich eine Orientierung, wie ich mich für mein Sprachverstehen neu ausrichte. Möglicherweise ist das auch endlich eine Hilfestellung für mein Schulterproblem (nämlich links), indem ich mich verstärkt und mit neuem Vertrauen meiner linken Körperseite zuwende?

02. März 2013
Ab jetzt trainiere ich zuhause beide Ohren mit einem All-Around-Kopfhörer (Sennheiser MM 500-X Bluetooth):


Produktfoto, de-de.sennheiser.com

also CI-Prozessor links / HG rechts, darüber der ohrumschließende Kopfhörer. Endlich kann ich mein bimodales Hören mittels Kopfhörer simultan trainieren – TV , CD-Hörbuch sowie Musik am PC. Bislang habe ich zum Fernsehen die Siemens MiniTek lediglich für mein HG (Siemens Motion 700 P) einseitig benutzen können. Links nahm der CI-Prozessor den Ton via Fernsehlautsprecher auf. Das ist keine schöne Lösung, zumal die Tonaufnahme um ein µ (Mü) verschoben war: Ich bemerkte, dass rechts der Ton schneller ankam als links.
Ich habe den Bluetooth Kopfhörer gewählt, damit ich das TV via einem Bluetooth-Transmitter wie z.B. den B-Speech RTX1 kabellos nutzen kann, und damit ich auch das Telefonieren per Bluetooth am Smartphone trainiere und zwar eben BEIDSEITIG mit CI links / HG rechts. Denn das Hören mit dem CI allein (und dem CI-Audiokabel) hilft mir momentan gar nicht.
Man kann auch alternativ die Induktionsspule am CI und am HG nutzen.

11. Februar 2013
Mein CI-Hörvermögen ist auf Geräuscheerkennen fokussiert - Sprachverstehen ist nur in Kombination mit dem Hörgerät einigermaßen ausreichend gegeben. Insgesamt verzeichne ich subjektiv ein Leistungsabfall auf der rechten Hörgerät-Seite: Ich habe ständig das Gefühl, mein Hörgerät sei zu leise. Ich stelle schon stets lauter mit dem Fazit, dass ich auf der rechten HG-Seite empfindlicher werde. Das Problem von Hyperakusis, was ich schon lange vor der OP mit den Hörgeräten bereits hatte, beschäftigt mich nun erneut, allerdings nur auf der rechten HG-Ohrseite. FAZIT: Der CI-Prozessor ist sagenhaft leistungsstark im Vergleich zur bestmöglichen Hörgerät-Versorgung (in meinem Fall Siemens Motion 700P). In diesem Simultan-Vergleich (CI links / HG rechts) wirkt das Hören mit dem HG unglaublich schwach, während das Geräusch-Wahrnehmen mit dem CI-Prozessor bei kleinstem Lautstärke-Pegel möglich ist.

06. Februar 2013
Momentan habe ich "Schulter": Mein linker Schulterkopf ist schon sehr lange (lange vor der CI-OP) entzündet (Bursitis). Durch die OP habe ich -muss ich zugeben- meine linke Seite muskulär noch mehr arg vernachlässigt, so dass sich nach und nach das Schulterleiden verschlechtert hat. Ich muss da mal ran = Fitnessstudio-Besuch ;-).

25. Januar 2013
Durch den größeren Dynamikbereich (5. Anpassung) kann ich nun auch das Warnsignal des CI-Prozessors wahrnehmen - wenn die Batterien zur Neige gehen - oder das Programm-Signal bei Einschalten des Prozessors - was das zuletzt eingestellte Programm aufzeigt. Bis jetzt wechsele ich alle 4 Tage die Batterien (zwei 1,45V Zink-Luft-Batterien). Dadurch dass der Prozessor noch nicht auf komplette Leistung eingestellt ist, ist der Batterie-Verbrauch recht niedrig. Es kommt die Zeit noch, in der ich wohl tagtäglich Batterien wechseln muss.

24. Januar 2013
Beim Chen TaiJi-Training in einem großen Saal – heute nur mit CI (ohne Hörgerät rechts): bin in einer Gruppe von 25 Leuten. Akustisch verstehen kann ich den Lehrer wie bisher nicht (hat mich bislang nicht gestört, denn das bloße visuelle Erfassen der geübten Bewegungen und Körperhaltung des ehem. Shaolin-Mönchs genügt mir vollkommen, um zu 'verstehen' – auch wenn Ihr, liebe Leserin und Leser, das an dieser Stelle nicht nachvollziehen durftet...– viele (hörende) Leute brauchen zunächst stets die theoretische Erklärung zu einem Bewegungsablauf... ich greife auf das visuelle Erfassen und auf das Nachempfinden/Nachmachen zurück und kann gut + schnell spiegelverkehrt 'denken'). Einen (für mich gewaltigen) Unterschied bemerke ich wenigstens: Ich registriere wenn der Lehrer etwas sagt, vor allem, wenn er nicht in meinem Blickfeld ist. Vorher habe ich dies gar nicht bzw. recht spät bemerkt.


© pixelio.de - jonnyb

23. Januar 2013
Die neue Dynamikanpassung (5. Anpassung) zeigt sich: Ich experimentiere mit Geräuschemachen wie "kleine Pellets gegen den Schrank werfen" – ich hab noch NIE dieses leise Klacken wahrgenommen!, "Wasserstrahl aus dem Hahn laufen lassen" – diese silbrig-perlig-helle Facette des Wassergeräusches hatte ich so noch NIE vorher gehört!, "gegen verschiedene Oberflächen (Metalltür/Ziegelwand) trommeln/klappern" – soviel subtil unterschiedliche Wahrnehmung der Materialien ist mir bislang verborgen geblieben.

22. Januar 2013
Fünfte CI Anpassung im CIC Berlin Brandenburg: Wir gehen erneut einen Riesenschritt nach vorn. Der elektrische Dynamikbereich des Prozessors wird im oberen Frequenzbereich stark vergrößert . Die Anpassung war bislang lediglich im Bereich 200Hz bis 1.500Hz berücksichtigt, darüber hinaus nur geringfügig. Die 4 Programmbereiche des CI Prozessors werden neu belegt. Programme P1 und P2 mit dem altgewohnten P3 und P4, die (Alt)Programme P3 und P4 mit der erweiterten Dynamikbereicheinstellung.

19. Januar 2013
Kommunikationstraining im BBCIG e.V. – mit WOW-Effekt: zum Einen habe ich 4 Stunden durchgehalten, zum Anderen kam ich mit dem CI (links) und OHNE Hörgerät (rechts) sehr gut klar. Dieses Training war gut! Noch ist mein Hören (in diesem Fall nur mit CI links, rechts ohne HG) zusammengesetzt aus 70% Mundabsehen und aus 30% akustischer Wahrnehmung per CI Prozessor.

18. Januar 2013
CIC Berlin Brandenburg: Heute machen wir einen Hörtest mit dem CI Prozessor. Es ist kein repräsentativer Test - da nur Geräuscherkennen -, aber die Hörkurve lässt sich sehen: mit leichter Abwärtsbewegung bei 2kHz ist die Kurve fast parallel zur Nulllinie, um 30dB nach unten verschoben: 250Hz–20dB; 500Hz–30dB; 1kHz–30dB; 2kHz–32dB; 3kHz–40dB; 4kHz–43dB; 6kHz–40dB; 8kHz–40dB. Es ist, wie schon erwähnt, nicht repräsentativ! Man beachte: jenseits 1kHz–105dB ist die [alte] Tonaudiogrammkurve auf dem linken Ohr (vor der OP) abwärts in den Keller verlaufen. » Meine Hörkurve vor der OP.

11. Januar 2013
Ich arbeite. Im Raum hängt eine (Pseudo)Bahnhofsuhr. Sie tickt.... Moment mal, sie tickt? Ich nehme das CI ab. Genau! Mit Hörgerät hatte ich das vorher nie wahrgenommen. Ich wechsele die Geräte, trage nur das CI, das HG ist ab. OK: mit CI hört sich das wie "Wich - wich -wich" an. Die Kombination aus CI- und gelernten* HG-Signalen vermittelt mir also das "Tick - Tick - Tick". * gelernt, da im Sprachgebrauch und von Hörenden dies mir vermittelt wird: sprachgebräuchlich "Das Tick-Tack der Uhr" u.s.w.

10. Januar 2013
Ich probiere Tonwahrnehmung via CI mit einer virtuellen Klaviatur: » www.virtualpiano.net
Dazu verbinde ich mich mit dem Rechner per Audiokabel (dabei das Kabel zur galvanischen Trennung nicht vergessen!) über den Audioausgang des CI. Nüchtern betrachtet: Ich höre Töne, ja! Im Tieftonbereich hört sich alles gleich an, im oberen Frequenzbereich (ab Kammerton a) könnte ich von einer schwachen Unterscheidung der einzelnen Töne von gerade 5 Tasten sprechen. Nach oben vernehme ich hohe Töne, die sich jedoch wieder gleich anhören. Wie ein Klavier hört sich das ganze über das CI nicht an. Mit meinem Hörgerät rechts kann ich die Eigenschaft eines Klaviers erkennen. Aufgemerkt: Während die hohen Frequenzen über die Hörgerätverstärkung auf mich einprasseln (im Kopf schwindelt es dabei regelrecht) - ich kann dabei die Töne unterscheiden bis zu meiner Hörgrenze - , kommen die hohen Töne über den CI-Prozessor ganz moderat in mein Ohr, es wird nicht unsäglich laut im Kopf, bloß: die Töne klingen gleich. (Ich bin erst seit einem Monat mit dem CI unterwegs und habe noch lange nicht das gesamte Frequenzspektrum eingestellt bekommen - das kommt noch)

09. Januar 2013
Vierte Anpassung im CIC Berlin Brandenburg. Es wird mein Hörnerv-"Status quo" getestet: Meine Nerven sind trainiert, sprechen gut an. Mein (Strom)Widerstand ist auch ein Stück gesunken, etwas mehr als beim letzten Mal am 17.12. Alles schon sehr gut! Ich bekomme heute ein Stück mehr Dynamikbereich mit nach Hause (neues Programm P4).

07. Januar 2013
Unterwegs stelle ich fest, mein Hörgerät auf der rechten Ohrseite erscheint mir leiser als sonst. Die Überprüfung beim Akustiker ergibt keinen Defekt, keine Verstopfung im Schallschlauch o.ä.. Es sieht so aus, als ob jetzt eine Verschiebung des Hörwahrnehmungseindrucks zugunsten des besser leistenden CI-Prozessors passiert: Im Vergleich zur linken Seite scheint die rechte Hörseite "leiser". Ich schalte mein Hörgerät vom "Alltagsprogramm" auf das laute "Konzertprogramm", so dass ein für mich subjektiv gutes Hör-'Gleichgewicht' im Zusammenspiel mit dem CI entsteht.

04. Januar 2013
Alles in allem höre ich mit dem CI-Prozessor - wenn ich das HdO-HG rechts weglasse - wie mit einem zu schwach eingestellten Hörgerät (das Sprachverstehen ist definitiv nicht da) - mit einem Unterschied, dass ich Geräusche in der Wohnung im entfernteren Raum (hier: der Küche, zwischen meinem Standort und der Küche liegen etwa 8m Flur) wahrnehme, wie etwa "Teller-Schepper-Einräum-in-den-Schrank". Das hatte ich vorher - nur mit Hörgerät - auf diese Entfernung so nicht gehört, geschweige wahrgenommen.

02. Januar 2013
Abends im Halbdunkeln im Wohnzimmer. Mein Freund sitzt links von mir. Ich mit CI im linken Ohr. Normalerweise drehe ich mich, wenn er etwas sagen will, so zu ihm, dass meine rechte besserhörende Seite ihm zugewandt ist (mit mehr Raumlicht). Jetzt drehe ich mich nicht, bitte ihn etwas zu sagen. Tatsächlich verstehe ich ein, zwei Worte, nur nicht genug für den zusammenhängenden Satz - im Halbdunkeln wohlgemerkt.

30. Dezember 2012
Wir gehen ins Kino. Life of Pi. Meine Bedingung: nicht ohne Untertitel! Was für ein Film! Er fesselt!

24. Dezember 2012
Weihnachten!

22. Dezember 2012
Ich halte den Tag tatsächlich nicht so lange aus. Ab Nachmittag bin ich hundemüde. Mein Alltagsprogramm ist P3. Morgens schalte ich mit P2 ein. Wenn ich draussen unterwegs bin, scheint mir P3 zu leise. Dann kommt P4 in Erscheinung - schon besser.

20. Dezember 2012
Weihnachtsfeier im SCS Tango Argentino Club. Mit gemischten Gefühlen gehe ich hin: Bin nachmittags nämlich schon todmüde: die neue Hörorientierung ist doch ganz schön anstrengend! Liegt aber auch an der dunklen Jahreszeit!
Die Musik kommt selbst bei der momentan höchsten Prozessor-Stufe P4 nicht vollständig an. Hört sich wie ein kaputtes Radio an. Wenn ich die Hörgerät-Seite (rechtes Ohr) nicht hätte, könnte ich nicht davon sprechen, dass da Musik sei! Im Gespräch-Getummel von beinahe 60 Leuten kann ich mich nicht gut unterhalten. Ich versuche abseits des gefüllten Saales Gespräche zu führen - geht besser.

19. Dezember 2012
Das Ticken der Uhr hat nach der dritten neuen Sprachprozessor-Anpassung schon mal eine andere Hörgestalt angenommen: nicht mehr „woisch“ sondern „wick“ ;-)

Mit jeder neuen Einstellung, also mehr Stromzugabe, kommt neuer Höreindruck dazu. ,Auf der Skala der Stromimpulsgabe von 0 bis 260 [Einheiten] (wie ich dies dem Monitor bei der Einstellung entnehmen konnte) bin ich momentan ziemlich in der Mitte. Wenn bei der Anpassung ein wenig „zu viel Strom" * war, hab ich schon mal ein Kribbeln hinter den Augen gespürt, aber es ist nicht so dass ich mir das Gerät vom Kopf reiße. *Anmerkung: „zu viel Strom" gibt es natürlich nicht, es ist nur die ungewohnte Reizstimulierung im Kopf / im » Auszug aus einem Leitfaden der Universitäts-HNO-Klinik Magdeburg ist eine für mich schöne + plausible Beschreibung der Anpassung.

17. Dezember 2012
Dritte CI-Anpassung mit Frau Lessacher und Frau Vink: Wir machen jetzt einen großen Sprung. Das bisherige Programm 4 ist jetzt auf Programm 2, P1 ist mit einem Tick weniger Current Level versehen (das "Ich-brauch-Ruhe-Notprogramm"). P3 ist der neue größere Dynamikbereich, P4 hat noch mehr - diesen kann ich einschalten, wenn ich mag. Bei P4 habe ich das Gefühl, dass nach kurzer Zeit mein Kopf zerspringen könnte. Natürlich testen wir die CI-Seite ohne meine rechte Hörgerät-Seite. Frau Vink klappert mit Holz-Spielzeug, dessen Geklappergeräusche ich interessiert lausche. Jens ist dabei, sagt, wenn er es nicht gewusst hätte, dass wir ein Hörtest machen, wäre er bei diesem Geklapper schon längst aus dem Raum geeilt, so eindringlich laut sei es. Frau Lessacher spricht mit mir ein paar Sätze... und ich höre tatsächlich die von vielen CI-TrägerInnen immer wieder beschriebene, schon legendäre "MICKY-MAUS-STIMME". Ich bin sehr belustigt. :-)


© pixelio.de - Petra Hegewald

15. Dezember 2012
Im Großen und Ganzen kann ich sagen: Die Hörwahrnehmung ist jetzt nicht mehr außen per konventionellem Hörgerät hinterm Ohr, sondern „IM KOPF“. Mittlerweile kann ich auch schon von "Morsezeichen" sprechen, wenn ich irgendetwas als Geräusch jenseits der 1.000Hz wahrnehme. Anmerkung: ich habe noch nie in normaler Zimmerlautstärke jenseits der 1.000Hz-Marke gehört. Wenn es für mich wahrnehmbar sein sollte, musste ich die Lautstärke auf über 100dB einstellen. Das macht kein Nachbar mit.

13. Dezember 2012
Mein aktuelles Hören mit CI: Kann ich gar nicht richtig beschreiben. Irgendwie fühlt es sich für mich wie kleine „Adrenalin-Schübe"* an, wenn ich ein Katzenmiauen (meiner beiden Katzen), ein helles Besteckklappern oder Tastaturklappern oder anderes helles Geräusch vernehme.


© Christian Schirbort

*Adrenalin-Schübe: Kennt Ihr das Gefühl vielleicht, wenn die Müdigkeitsschwelle überschritten ist? Da sind sämtliche Sinne „geschärft". ODER: Man/frau kriegt die volle Ladung Wasser ab....da stockt einem kurz der Atem. Anders kann ich das Gefühl tatsächlich nicht umschreiben.

10. Dezember 2012
Zweite CI-Anpassung im CIC Berlin Brandenburg: Die nächsten Einstellungen und Programm-Neubelegung: Die bisher höchste Stufe Programm 4 ist nun Programm 1, und Platz 2 bis 4 bekommen jeweils eine Neubelegung mit mehr Stimulationsraten, mit mehr 'Current Level'. Ich bin ziemlich schnell (zu schnell?): Abends lasse ich wieder mit (dem neuen höchsten) Programm 4 hören.

04. Dezember 2012
Es ist Morgen, verschlafen stehe ich im Bad, setze mein CI auf und.... vernehme etwas, was ich erst nicht zuordnen konnte. Anfangs dachte ich: "Ist das mein Herzrhythmus - höre ich etwa meinen eigenen Herzschlag?" Zur Kontrolle gehe ich raus aus dem Bad. "Nein, ist weg!" Was ist das bloß? Zurück im Bad, lasse ich meinen Blick durch den Raum schweifen und stoppe an einem kleinen Analog-Wecker, der im Regal steht. "Ist nur das Tick-Tack!" Puh. Klingt über den Prozessor nicht wie Tick-Tack, sondern eher wie "Woisch-woisch"

03. Dezember 2012
Der große Tag: Die CI-Erstanpassung! Fast 4 Stunden habe ich im CIC Berlin Brandenburg zugebracht. Wie viele CI-TrägerInnen- ob jung, ob alt - durften wohl Ähnliches wie ich erlebt haben, als sie zum allerersten Mal das Gerät in die Hand genommen, aufs Ohr gesetzt, die ersten Testtöne wahrgenommen haben? (Zigtausende!). Jedenfalls kam ich mir vor wie ein kleines Mädchen, das einen Lolli bekommt! Interessante Wahrnehmung: es passiert im Kopf, das Hören. Anders kann ich es momentan nicht beschreiben. Mit 4 Programmstufen auf meinem Cochlear® Nucleus gehe ich nach Hause. Abends hatte ich bereits Programm 4

01. Dezember 2012
Mache einen Shiatsu-VHS-Kurs mit. Mit Jens zusammen. Ohne ihn hätte ich den Kurs allein nicht gemacht - nicht mit meiner aktuellen einseitigen Hörsituation. Die Kursleiterin war sehr gut und verstand mit mir umzugehen, hat bei den Übungen mich von hinten angetippt und meine Aufmerksamkeit abgewartet, bis sie mit mir sprach.

28. November 2012
Heute rubbele ich vorsichtig die letzten Klebereste an der Narbe am Ohr weg.

23. November 2012
Ich stelle immer mehr fest, wie sehr ich mein Sprachverstehen vor meiner OP aus dem marginalen Hörrest des linken Ohres mit meiner besseren rechten Hörseite - und diese "nur" mit Tieftonrest - kombiniert habe.

21. November 2012
Ich fahre mit Jens 400km zu Schwiegereltern. Es ist abends und dunkel im Auto. Ich sitze auf der Beifahrerseite. Links ist meine nunmehr taube Seite, und zur linken Seite sitzt der Fahrer, Jens. Er erzählt etwas, und ich stelle fest: 'Mist, ich verstehe im Dunkeln (ohne Mundbild) und nur rechts einseitig nix, gar nix mehr!' Wird Zeit, dass bald die CI-Erstanpassung ist.

19. November 2012
Die Narbe am Ohr juckt noch. Halb so schlimm!
Übrigens: ich habe keine Fäden, die OP-Wunde ist mit Klebstoff versiegelt! Mit der Zeit lassen sich die Klebereste einfach beim Duschen "wegrubbeln" - aber ganz sachte zart, bitte!

15. November 2012
Dr. Mir-Salim begutachtet meine Narbe am Ohr. Alles bestens! Der Druckverband kann ab, und ich "lechze" nach Haarewaschen! Es waren also weniger als 10 Tage Verbandtragen :-)
UND: Ich habe kaum "Haare gelassen": Es ist lediglich kurz hinter dem Ohr ein etwa 10mm Streifen abrasiert.

11. November 2012
Heute hatte ich über den Tag einen geringen Drehschwindel, der den nächsten Tag noch anhielt und dann verschwand.

08. November 2012
Ich kann nach Hause! Den Druckverband soll ich noch etwa 10 Tagen tragen.

07. November 2012
Dr. Müller zeigt mir Farben des Nucleus zur Auswahl: schwarz/dunkelbraun/sand/weiß (beim Cochlear® Nucleus 5 {CP810}, dazu können farbige Schmuckblenden ausgewählt werden). Die Qual der Wahl liegt nun bei mir!

------ Abends hatte ich ein wenig Nasenbluten.

06. November 2012
Der Tag "0".
8.00h morgens war der OP-Eingriff, 11.00h die Aufwachphase, gegen 14.00h lief ich schon herum, konnte sogar die Mittagsmahlzeit ohne Folgen zu mir nehmen. Ich hatte keine Geschmackseinbüßen, keinen Schwindel, keine Übelkeit, kein Erbrechen. Mir ging's einfach gut (ist das normal?) - ab 17h bekam ich nacheinander Besuch von meinen Eltern, von Freunden.

05. November 2012
Im Vivantes Friedrichshain am Abend nach der Aufnahme-Odyssee (Klinik-Einweisung mit HNO-Untersuchung, Blutabnahme, Narkose- und OP-Aufklärungsgespräche).
Das letzte Mal für mein linkes Motion 700 P – auf der rechten Seite bleibt mir das HdO Gerät erhalten ;-)

02. - 05. November 2012
Verbringe mit Jens das Wochenende in Zingst, zusammen mit Freunden: es ist das Tangoworkshop-Wochenende mit Tangotrainer Nicole + Lars Ritzrau. Auch wenn ich im Hinblick auf die kommende OP am Dienstag sehr angespannt war, so konnte ich zurückblickend sagen: "Das war ein abwechslungsreiches und gutes WoE, hat mir die Gedanken schnell zerstreut." Das Wochenende war zudem recht sportlich: Tango Argentino Workshops, SenFi, Tango im Wasser und Pilates. Wer weiß, wann ich nach der OP wieder Sport machen kann!

18. September 2012
Ich teile HNO-Chefarzt Dr. P. Mir-Salim und Audiologe Dr. A. Müller meine Entscheidung mit: Ja zur OP.

17. September 2012
Die große ganztägige CI-Untersuchung findet statt: CT / MRT / BERA mit anschließender Chefarzt-Besprechung. Ergebnis: sieht gut aus. Das "ovale" Fenster (Fenestra vestibuli, auch Fenestra ovalis) ist groß genug für den Eingriff. Mein Schädelknochen hat genug "Dicke", eben "Dickschädel" ;-).

03. September 2012
15:30h bei der CI-Sprechstunde im Vivantes Friedrichshain. Ich bin bei der Audiometrie, anschließend bei der Testauswertung im Chefarztzimmer. Ich habe bei dem HNO-Team ein gutes (Bauch)Gefühl.

25. August 2012
Beim CI-Treff im Haus des BBCIG e.V.: Ich durfte alle CI-TrägerInnen in großer Runde befragen. Es gab für mich aufschlussreiche Gespräche - sehr aufschlussreiche! Kurzum: Alle konnten mir bestätigen, dass sich ihre Lebensqualität mit dem CI erheblich verbessert hat.

13. August 2012
CI-Beratung im CIC Berlin Brandenburg bei Frau Lessacher und Frau Vink. Es geht mir primär um die Frage ob das Cochlea Implantat für mich als Erwachsene in Frage kommt. Antwort: Ja.

+++ Die Auseinandersetzung mit dem Thema Cochlea Implantat im Vorfeld +++

Das Jahr 2012 begann für mich nicht so gut: Ich hatte das Burn-Out-Syndrom mit Erschöpfungszuständen, die ich bislang so nicht kannte. Mit dem Attest meines Arztes in der Hand, das mir neben meiner seit Geburt bestehenden an Taubheit grenzenden Schallempfindungsschwerhörigkeit - mit Progredienz - auch Hyperakusis und Tinnitus aurium bescheinigte, beschloss ich nach einigem Hin und Her, mich beim Rehabilitationszentrum Rendsburg anzumelden. Warum dort? Nun ja, es lag auf der Hand, dass mein Dauer-Erschöpfungs-Dasein mit meinem Hören, besser: meiner Hörschädigung, zu tun hat. Das Rehazentrum Rendsburg hat mir von ersten Informationen her einfach zugesagt (zudem wollte ich gern im Norden Deutschlands bleiben). Im Juni/Juli 2012 war ich 4 Wochen zur Reha. Bis dahin war das Cochlea Implantat für mich gar kein Thema! Während der Reha-Zeit habe ich die Audiotherapeutin Anja Kehring, selbst CI-Trägerin (bilateral), kennen gelernt. Es wurde das CI während der Reha-Zeit nicht weiter erörtert, da in unserer Reha-Gruppe kein CI-Träger und auch sonst kein Interesse/Bedarf war. Nur ich habe mir durch die Arbeit mit Anja, die uns betreute und mit uns viel Mundabsehen übte, irgendwie einen Eindruck mit nach Hause genommen. Erst zu Hause - ganz für mich allein - begannen meine Recherchen zu diesem Thema. Durch einen Freund von mir, Stephan - bilateral mit CI versorgt, kam ich noch näher daran. Sein Satz "Das Hören mit dem CI bedeutet alles um Dich herum hören, ob Du willst oder nicht, dennoch ist die Schallaufnahme nicht so extrem laut wie beim Hören mit Hörgerät*, was eine dauernde Schallverstärkung bedeutet." war für mich der Schlüssel, dass das Cochlea Implantat auch mein Thema wurde.

* hier: 'Power'-Hörgerät bei Schallempfindungsverlust